Afrin ist gefallen – wie geht es weiter mit Syrien?

Von AIR TUERKIS | Am gestrigen Sonntagmorgen fiel die kurdische Stadt Afrin vollständig in die Hände der Allianz aus türkischen Truppen und dschihadistischen Verbänden der syrischen Opposition. Die kurdischen YPG-Milizen sind aktuell fast überall auf dem Rückzug, da die leicht-bewaffneten Verbände den türkischen Panzern und besonders der Luftwaffe nichts entgegenzusetzen haben. Zwar hätten die kampferprobten Kurden die Stadt wohl noch einige Wochen halten können, doch aufgrund der kargen Versorgungs- und katastrophalen Humanitärsituation sowie der drohenden Zerstörung der Innenstadt wurde ein organisierter Rückzug vorgezogen. Aber es bleibt dabei: Rund 2 Monate nach Beginn der türkischen „Operation Olivenzweig“ ist klar geworden, dass die YPG-Milizen ohne massive Unterstützung des Westens keine Chance in einer direkten militärischen Auseinandersetzung mit der Türkei haben. Daher kündigten Führer der kurdischen Selbstverteidigungseinheiten nun an, die Strategie zu ändern und in einen Guerilla-Krieg überzugehen. Erdogan wiederum kündigte an, den ganzen Norden Syriens bis zur Grenze zum Irak  „zu säubern“ und die von ihm als Terroristen eingestuften YPG-Milizen vollständig zu zerschlagen. Auch Operationen auf dem irakischen Staatsterritorium sind nicht ausgeschlossen. Das könnte weitreichende Konsequenzen für die Region haben: Einerseits wird ein Guerilla-Krieg viele zivile Opfer kosten und es droht in gewisser Weise eine Autoradikalisierung der YPG hin zu einer neuen PKK und andererseits drohen stärkere Zusammenstöße zwischen der Anti-Kurden-Allianz und den Regierungen in Damaskus und Bagdad. Auch die US-nahen Assadoppositionellen „Demokratischen Kräfte Syriens“, zu denen die YPG-Milizen auch gehören, könnten in starke Gefechte mit Erdogan geraten, was im Hinblick auf die NATO-Mitgliedschaft der Türkei äußerst prekär wäre. Der Syrien-Krieg scheint einfach nicht zu enden: Hatte der Ausgangskonflikt zwischen syrischer Opposition und Regierung schon das Schlimmste hinter sich, kam der IS und entzündete ein noch größeres Feuer. Dieses konnte wiederum nach harten Kämpfen und zunehmender Intervention Putins und Trumps (Obama hatte an seiner allbekannte Zurückhaltungspolitik festgehalten) fast schon gelöscht werden. Kurden, Assad und die irakische Regierung konnten sich behaupten. Doch zu früh gefreut: Die türkische Offensive lässt allen Grund zur Sorge, dass ein 3. Krieg in Folge entflammen könnte. Wenn es so weiter geht, wird jeder Syrer geflüchtet, tot oder obdachlos sein – daher ist es aller höchste Zeit, Erdogan aufzuhalten!

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