Älteste Lokomotive Deutschlands soll geborgen werden

von KARL DRAMM | Nachdem im Jahre 1835 zwischen Nürnberg und Fürth das Eisenbahnzeitalter auch in Deutschland begann, wurde die Nachfrage nach Lokomotiven weitaus größer. Die bisher aus England importierten Dampfrösser sollten nun auch in Deutschland hergestellt werden – einer der Produzenten aus dem badischen Karlsruhe war Emil Keßler., welcher seit 1841 für verschiedene Eisenbahnen Dampflokomotiven baute. Im Jahre 1852 kam es dann zu einem Auftrag der Düsseldorf-Elberfelder Bahngesellschaft, einer Kleinbahn aus dem Großraum Düsseldorf. Nun kommt es zur Lok, welcher denselben Namen hatte, wie sein „Mörder“: „Der Rhein“. „Der Rhein“ sollte aufgrund einer noch nicht vollständig existenten Strecke zwischen Karlsruhe und Düsselorf auf dem Rhein transportiert werden. Zu jener Zeit lag das deutsche Streckennetz bei lediglich 6000 Kilometern. Für 1852 eher ungewöhnlich wurde die Lok auf ein Segelschiff namens „Stadt Coblentz“ geladen und sollte die Strecke bis (Köln) Deutz auf dem Rhein transportiert werden. Auf der Überfahrt kam es jedoch zu einem Unwetter und der Frachter kippte samt seiner gesamten Beladung, also auch der knapp 20 Tonnen schweren Lok um. Seitdem liegt die Lok im Rhein bergraben und erst vor einigen Jahrzehnten wurde die Bergung, nach mehreren kläglichen versuchen direkt nach dem Unglück wieder als Planungen aufgenommen. Nun steht aber auch ein Bergungstermin fest für die Lok, welche auf Höhe der Stadt Germersheim (Rheinland-Pfalz) im Sandbett unter dem Rhein liegt und laut Forschern vollständig erhalten sein soll.
Im Oktober diesen Jahres soll mit der Bergung begonnen werden. Die Bergung hätte einen hohen geschichtlichen Wert für Verfolger des Mythos der „verschollenen Lok“ und würde als älteste Lokomotive Deutschlands nicht nur für Bahnliebhaber eine Sensation darstellen. Die Berichte in den Medien gehen so weit, dass der Südwestrundfunk (SWR) eine vierteilige Reihe über die Lok „Der Rhein“ mit einer Gesamtlänge von knapp zwei Stunden gedreht hat und bis November (wahrscheinlich mit der Bergung) veröffentlichen will.
Bis die Lok aber geborgen wird bleibt der Mythos bestehen, dass die verschollene Lok im Rhein überhaupt noch existiert – einen geschichtlich eher unwichtigen Aspekt hatte diese Lok dennoch:
Eine zweite Lok aus dem Hause Emil Keßler wurde kurze Zeit später aus dem Standort Karlsruhe an die Düsselorf-Elberfelder Bahngesellschaft geschickt und der eben genannte Standort geschlossen, sodass Emil Keßler seinen Standort in Esslingen (Württemberg) ausbaute.

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