Hamburger erklären, was Australien jetzt zu tun hat

Von Leopold Vogt | Es ist wieder soweit, das neue Jahr hat noch kaum begonnen, aber Luisa Neubauer und Komplizen treten wieder auf das mediale Parkett. Genauer: auf Welt Online.

Darin erklären sie zuerst einmal wieder die Welt durch die Neohamburger Brille. Demnach gilt: “Australien brennt”. Und für den waschechten Klimaaktivisten kann es dafür natürlich nur eine einzige wahre Erklärung geben, den Klimawandel!

Dann noch fix den IPCC zitieren, nach dem in Australien Dürre und Trockenheit zunehmen, Grund: der Klimawandel.Und um alles noch zu verschlimmern, weigerte sich Australiens Regierung bisher hartnäckig, auf den aus FfF-Sicht einzig richtigen politischen Zug aufzuspringen. Und ausgerechnet dieses Land plant dann auch noch seine reichen Rohstoffvorkommen in Form von Kohle zu nutzen. Genau genommen von einem indischen Unternehmen namens Adani, welches eine der weltgrößten Kohleminen der Welt erschließen will, die Kohle nach Indien verschiffen und dort zur Energiegewinnung nutzen will.

Und dort kommt zum ersten Mal ein deutsches Unternehmen auf den Plan, nämlich Siemens, die eine Signalanlage für eine 189 km lange Eisenbahnverbindung liefern sollen, um die Kohlezüge zu den Häfen zu bringen.Ich wiederhole: eine Signalanlage, die die Kohle höchstens im Vorbeifahren zu sehen bekommt. Eine Signalanlage, wie sie viele Firmen auf dieser Welt seit Jahrzehnten bauen (wenn auch vielleicht nicht auf diesem hohen technischen Niveau).Das reicht für unsere Luisa mit Kompanion Heubeck, um Siemens für den Klimawandel mitverantwortlich zu machen und zu fordern, Siemens sollte sein Engagement in dem Projekt canceln, mit dem Kommentar “stay sane”.

Als ob die Mine un-baubar wäre, würde Siemens abspringen. Als ob Adani nicht aus vielen anderen Firmen auswählen könnte, die den Auftrag mit Handkuss entgegen nehmen würden. Als ob es unsere deutsche Entscheidung wäre, ob Australien eine Mine erschließt oder nicht. Man fühlt sich an Kaiser Wilhelms Lebensmotto erinnert: “Am deutschen Wesen soll die Welt genesen!”. Denn natürlich wissen wir in Mitteleuropa es besser, wenn wir sagen, dass der Klimawandel der Auslöser der Brände in Australien sei.

Tatsächlich sind die Brände nicht ohne gleichen in Australien. Jedes Jahr im Sommer (also hier im Winter) trocknet der Kontinent aus, ganz natürlich und jedes Jahr. Und genauso gibt es jedes Jahr eine Brandsaison, die natürlich immer unterschiedlich hart eintreten kann. Und auch die Brandursachen differieren, zwischen Blitzschlag, Unfällen und Brandstiftungen. So wurden bisher über hundert Menschen wegen des Verdachts auf Brandstiftung verhaftet. Nicht das ominöse Klima hat die Wälder angezündet, sonden wohl unter Umständen Menschen. Ganz schnell zu recherchieren, aber dieser Aufwand wäre bestimmt zu viel, wenn man auch gleichzeitig twittern und in die Karibik fliegen kann. Auch um dort dann Fotos zu posten, die vor der Zerstörung des Paradieses warnen und den Normalbürger von Flugreisen abhalten sollen. Doch ich komme hier vom Thema ab.

Es gibt also dichte Hinweise, dass die Brände von Menschen mindestens mitverursacht wurden. Und diese Hinweise gibt es auch bezüglich der Stärke der Brände. So wurden im Winter (also während hier Sommer ist), wenn die Wälder relativ feucht sind und die Brandgefahr niedrig ist, große Buschareale kontrolliert abgebrannt, damit weniger brennbares Material vorliegt. Die dort häufigen Eukalyptuswälder neigen sowieso zu häufigen Bränden, die Pflanze hat sich erst durchgesetzt, weil sie extrem brennbar ist – denn nach Waldbränden startet sie immer sehr schnell wieder durch und setzt sich von neuem durch.

Es ist also eine bewährte Methode, kontrollierte Brände zu legen, wenn sie noch kontrolliert werden können damit die Gebiete in der Brandsaison nicht mehr so fatal abfackeln.Diese Praxis wurde anscheinend, so hört man aus australischen Medien teils,die letzten Jahre immer mehr kompromittiert, weil Umweltschützer die Praxis ablehnten. Das äußert sich jetzt auch in mehr vorhandenem Brennstoff, der die Brände besser anheizt.

Also hat wieder einmal ein hehres Ziel in der Konsequenz zu einer Katastrophe geführt. Und nun wird versucht, der Öffentlichkeit grüne Politik als Lösung für Probleme zu verdingen, die ohne genau diese Politik so schlimm nicht existierten.

Doch, wie oben erwähnt, stellt sich auch die Frage, was für ein Bild Frau Neubauer und Herr Heubeck von unserer Position in der Weltpolitik haben. Mit welchem Recht treten solche Gestalten in die Öffentlichkeit und wollen Australien vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen hätten? Mit welchem Recht wollen sie behaupten, besser zu wissen, was gut für Australien ist, als die Australier? Mit welchem Recht wollen sie begründen, dass deutschen Unternehmen im Ausland Aufträge verboten werden sollten?

Mit welchem Recht schwingt sich überhaupt Frau Neubauer als dedizierte Vielfliegerin an die Spitze einer Bewegung, deren erklärtes Ziel es ist, den Menschen das Fliegen bis zur Unmöglichkeit zu verteuern? Und mit welchem Recht behauptet diese Bewegung, die Interessen der Jugend zu vertreten? Mit welcher Evidenz behauptet diese Bewegung, zu der relativ wenige gehen, die Jugend wolle wirklich weniger Autofahren, oder zumindest die breite Masse der Jugend wolle das? Mit welchem Recht? Wer sich diese Fragen ernsthaft stellt wird zu einem klaren Ergebnis kommen: Es gibt kein Recht, zu behaupten, wir könnten den Australiern vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben. Das dürfen nur die Australier selber können.

Es gibt kein Recht, mit der politische Minderheiten deutschen Firmen Aufträge im Interesse der deutschen Arbeitnehmerschaft verhageln sollten (erst Recht weil hierdurch keinem Menschen wirklich geschadet wird).

Als Anmerkung noch zum Zitat des IPCC-Berichts: Dort wird die Reduktion des Niederschlags in Teilen Australiens nur mit “low confidence” kommentiert, es ist also nicht so weit her mit der Behauptung, der niedrige Niederschlag sei eindeutig klimabedingt.

Auch wenn das durch die “neue Hamburger Brille” bestimmt anders aussieht.

2 Antworten

  1. Norbert Hoffmann sagt:

    Korrektur
    Sehr gut analysiert

  2. Norbert Hoffmann sagt:

    Sehr guter analysiert.