5 vor 12 für die Jugend: Der Kampf um unsere Generation

Gegenwind. Die Kolumne von Vize-Chefredakteur Max Roland

„Diese jungen Leute…“ – so beginnt gerne mal ein Vorwurf eines älteren Zeitgenossen in Richtung meiner Generation. Wir sind zu oft am Handy, nur noch im Internet unterwegs, gehen viel zu wenig raus und so weiter. Während vieles davon einfach nur die neueste Auflage des ewigen Konfliktes zwischen den Generationen ist (schon Sokrates schimpfte über die Jugend), gibt es einen Punkt, in dem ein „Diese jungen Leute…“- Satz berechtigt ist: Junge Leute interessieren sich zu wenig für Politik.
Ich bemerke es selbst, zum Beispiel im Politik-Unterricht. Bei manchen Sätzen, die der ein oder andere Mitschüler von sich gibt, fragt man sich schon, wie diese Person in einem Politik-Leistungskurs gelandet ist – Bestimmte auswendig gelernte Standpunkte werden wiedergegeben, ansonsten kein oder kaum Interesse da, was anderes als das zu sagen, was eh jeder weiß und denkt. Aber klar: Die Prioritäten meiner Generation liegen woanders. Konsolenspiele wie GTA oder Fortnite, Clubbesuche, Shishabar und Housepartys sind eben für die meisten interessanter als „Menschen bei Maischberger“, politische und wirtschaftliche Theorie oder gar die eigene Auseinandersetzung mit den Fragen unserer Zeit.

Diese Apathie, wenn es um Politik geht, ist ein gefundenes Fressen für so manche. Auch, wenn wir momentan vielleicht in Ansätzen erleben, wie die Gesellschaft sich von den Zwängen der politischen Korrektheit und der Denkverbote befreit: Das alles nützt nichts, wenn die nächste Generation bereits auf Hochtouren indoktriniert wird. Jugendwahlen zeigen Regelmäßig Ergebnisse für die Grünen, die die realen (noch) fast um 100% übersteigen, während FDP und AfD vielleicht die 5% gerade noch packen. Selbst Kinder, die aus konservativen oder liberalen Elternhäusern kommen, schaffen es kaum, diese Werte durch Kindergarten und Schule zu verteidigen, wenn kein großes Interesse für Politik bei ihnen da ist. Der ideologische Dauerbeschuss durch die Unterhaltungsindustrie, den Haltungsjournalismus aus den großen Medien und natürlich so manchen Rot-Grünen Lehrer in der Schule geht an den wenigsten wirkungslos vorbei. Wenn Naivität anstelle einer eigenen, differenzierten und aufgeklärten Meinung steht, ist es eben am einfachsten, das zu übernehmen, was einem täglich entgegenschallt.
Es klingt ja auch alles so schön: Man macht Workshops mit perfekt integrierten, deutschsprechenden und engagierten Flüchtlingen, man lernt, dass man Wasser, Papier und Strom sparen, dass man Fahrrad statt Auto fahren sollte um die Welt vor dem Klimawandel zu retten. Ufuq und andere schöne Islamisteninstitute kommen an die Schulen und bieten an „Anti-Rassismus-Aktionstagen“ Diskussionsrunden zum Thema „Was tun gegen Islamfeindlichkeit?“ an.
Zu Thesen wie „Wenn wir den Ruf des Muezzin verbieten, müssten wir das gleiche auch mit Kirchenglocken tun“, fällt dem blauäugigen Jugendlichen auch nichts anderes ein als dies zu bejahen, denn alle Religionen sind ja gleich zu behandeln, der Islam kann also gar nicht problematischer als das Christentum sein. In der Klasse oder in der Schule übernehmen die wenigen politisch interessierten das Denken und das Handeln, die in der Regel natürlich links orientiert sind und bei den Jusos, den jungen Grünen oder der Linksjugend lernen, wie sie denken und handeln sollen. Die setzen dann das, was sie im Kreisverband am Wochenende gelernt haben, fleißig um, im Zusammenspiel mit Lehrern, die selbst genau den gleichen Werdegang hinter sich haben und es als ihre Pflicht ansehen, die „richtigen Werte“ bereits in der nächsten Generation anzulegen
So werden diese Schüler dann die Aktivisten in der Schülervertretung und setzen Unisextoiletten mit genau der Begründung um, die ihnen die Jugendorganisationen mitgegeben haben: Gegen die Diskriminierung von Transsexuellen! Sie sind dabei blind, aber umso bestimmter. Der gutmütige deutsche Jugendliche kann nur danebenstehen und den schlichten Thesen natürlich zustimmen: Wer widerspricht denn so einer Aussage, wenn er nicht die politische Agitation dahinter erkennt?

So zumindest sieht es in den Großstädten aus, wo liberale und konservative einer erdrückenden, linken Übermacht gegenüberstehen. Links kommt aus den tollen US-amerikanischen Comedyshows und ihren deutschen Ablegern, aus den Zeitungen und Fernseh-Sendungen, und sowieso aus den wenigen politischen Sendungen wie „Extra3“ oder „Heute-Show“, die Jugendliche vielleicht noch gucken und sich dann als politisch interessiert betrachten. Die Lehrer sorgen dann dafür, dass auch die Debatte im Klassenzimmer sofort in die richtige Richtung geht, mit eifriger Unterstützung der Jugend-Blockwarte.
Die Debatten um die Zukunft werden auch klar Links geführt: Gleichheit, Gleichheit über alles! Der Zukunftsentwurf ist nicht Leistung und Fortschritt, sondern Sozialismus à la bedinungsloses Grundeinkommen. „Wenn die Maschinen den Wohlstand erarbeiten, können wir uns doch damit beschäftigen, wie wir ihn gerecht verteilen!“, so tönen die Linken. Im Wirtschaftsunterricht lehren wir währenddessen fleißig Keynes, was voll im Einklang mit der momentanen Politik steht, und beleuchten Gegenentwürfe fast gar nicht. „Ja, aber die staatliche Intervention ist doch notwendig!“ Sagen die stolzen Schüler eines Wirtschaft-LKs dann, oder: „Ja, ansonsten haben wir doch den Raubtierkapitalismus!“ Dafür gibt es dann die 15 Punkte: Wer das in Frage stellt oder es gar wagt, sich gegen staatliche Intervention und auf die Seite von Freihandel und freier Marktwirtschaft zu stellen, der wird mit Unverständnis betrachtet, weil die die ganze Zeit in den Medien lernen, wie Freihandelsabkommen a la TTIP unser aller Ende sein werden und der Genmais uns töten wird.
Unter all dieser Dominanz ist es der größte Witz, wie es Linke schaffen, sich auch noch als „Gegenbewegung“ zu dem System und zu der Gesellschaft zu inszenieren, welche sie mit ihren Ideen beherrschen.

Die einzige wirkliche Gegenbewegung kommt aus migrantisch geprägten Millieus. Von LGBT-Rechten will man dort nichts wissen: Die Homos kassieren Schläge! Ein islamisch-konservatives Weltbild, was ironischerweise mit einem asozialen Lebensstil zusammengeführt wird: Am coolsten ist der, der am frühesten klaut, kifft oder sich prügelt, es geht um fette Autos (geleast), den eigenen Grasvorrat und die Treuepunkte in der Sishabar. Eine Gegenkultur gegen alles deutsche etabliert sich, und wer in diese Gegenkultur nicht passt, ist der „Alman“, den man dann auch mal nach der Schule zusammenschlägt. Das zu kritisieren, fällt der zuerst genannten Gruppe natürlich nicht ein: Ansonsten müsste man sich mit den Hintergründen der intoleranten Ansichten auseinandersetzen, und den Islam zu kritisieren ist ja Rassismus!

Das ganze wird noch schlimmer, wenn wir auf die Lage gucken, in die uns diese Generation von Politikern gebracht hat. Die Renten werden erhöht, kurzsichtige, sozialdemokratische Umverteilungspolitik gemacht, Schuldenberge angehäuft. Eine selbstmörderische Migrationspolitik wird bereits bestehende Probleme nur noch verschlimmern und uns französisch-schwedische Verhältnisse einbringen. Wer aber zum Beispiel die Migrationspolitik infrage stellt, der wird von den Lehrern und ihren Jugend-Blockwarten niedergebrüllt – und die anderen gucken, vernebelt durch den dauernden linken Einfluss oder aus Angst vor ähnlichen Reaktionen, wenn sie den Mund aufmachen, einfach zu und schweigen.

In unserer Zeit ist die Idee der Selbstverantwortung unpopulär: Sie wird uns ja auch ausgetrieben, in einer Gesellschaft, in der es ein Wert ist, ein Opfer von irgendwas zu sein. Das überträgt sich in die Schule: Statt Selbstverwirklichung und Kämpfernatur zu fördern, setzen sich ganze Abteilungen in den Schulen mit jeder wie auch immer gearteten Benachteiligung auseinander.
Sagte der Lehrer bei einem Streit früher einen Satz im Sinne von „Kinder, lasst das“, so rücken heute Brigaden von Sozialpädagogen an, die die ganze Klasse über „Mobbing“ aufklären und über 300 „coole Sprüche und Methoden“ informieren, Mobbing zu vermeiden.
Eine Nannymentalität in allen Bereichen des Lebens. Schuld hat man nie selbst, sondern immer bestimmte Umstände. Es sind die Standards die falsch sind, nicht deine Fähigkeiten! Die „Safe-Space“ Mentalität, die in den Unis fleißig kultiviert wird, bringt Generationen von Waschlappen auf den Arbeitsmarkt, die vom echten Leben keine Ahnung haben und unter dem kleinsten Druck zusammenbrechen, weil die Arbeitswelt eben nicht die sozialromantische rosa-Watte-Welt ist, die ihnen der Bildungsweg beibrachte. Die logische Folge daraus ist natürlich, diese Denkmuster abzulegen? Nein, im Gegenteil, ab jetzt wird dafür gekämpft, diese Mentalität auf alle Bereiche des Lebens auszuweiten. Was das bringt, sehen wir in den USA und Kanada, wo die freie Meinungsäußerungen auf dem Campus massiv unter Beschuss gerät, weil eine Meinung kontrovers sein kann. Sagt z.B. ein Professor, dass es nur zwei Geschlechter gibt, so ist er einer massiven Hetze gegen seine Person ausgesetzt, wie Psychologieprofessor Dr. Jordan Peterson erleben musste, als er genau das vertrat. Er ist zu einem der großen Kämpfer gegen politische Korrektheit und regressiv-linken Meinungsterror avanciert – aber viele werden einfach von ihren Unis vertrieben.
Schon die Nazis wussten es, die Kommunisten wussten und wissen es noch besser: Wer die Jugend kontrolliert, der beherrscht das Land dauerhaft. Diese Einsicht hatten die Mütter und Väter des Grundgesetzes, als sie zum Beispiel die Bildung föderalisierten und die Erziehung als Recht der Eltern definierten: Niemand sollte mehr so einfach Zugriff auf die Köpfe der Kinder bekommen. Aber ein linker Einheitsbrei, der alles begräbt und erstickt, ist auch eine Art von dezentralisierter Gleichschaltung. Wie man diesen Brei bekämpfen kann? Die Gegenseite muss mehr tun! Konservative und Liberale müssen in der Jugendarbeit mehr Anstrengungen unternehmen. Anstrengungen, die von zentralen Stellen leider ausbleiben. Was wir mit der LJB leisten wollen, ist, den Einheitsbrei nicht unwidersprochen zu lassen. Das tun wir täglich: Aber wo ist das Engagement der große liberalen und konservativen Gruppen? Was wir erleben, ist die Schlacht der Ideologien um die Köpfe der Jugend. Die Linken haben Panzer und Artillerie mitgebracht: Warum steht die andere Seite noch mit Pfeil und Bogen da?

8 Antworten

  1. Rolph Martin sagt:

    Danke für Euer Engagement! Es tut gut zu lesen, dass sich in diversen Bereichen etwas tut. Würde ich noch mit meiner Familie im Deutschland leben, hätte ich gefragt: wo kann ich helfen? Ich hoffe für die Zukunft der Macher, dass Sie noch etwas zum Guten bewegen können, habe aber meine Zweifel: wenn bereits 60% der Sieben-Jährigen Migrations-Hintergrund haben, bin ich froh, dass ich zu Menschen gehöre, die noch rechtzeitig genug die Früchte ihrer Arbeit retten konnten und nun im Ausland freier leben darf, als dass uns dies in D möglich war. Unseren Respekt haben Sie und wir werden diese Blog hier aufmerksam weiter verfolgen. Alles Gute!

  2. Raubtierkapit(A)list sagt:

    Ich habe den Eindruck, daß (rechts-)liberale Stimmen lauter werden. Ein bißchen zumindest. Es gibt da so ein Rauschen im Netz.

    Vor 10 Jahren bin ich aus der FDP ausgetreten. Nein, bin jetzt weder AFD-Mitglied noch AFD-Wähler. Btw: Der volkssozialistische Flügel um Höcke wird langfristig Weidel & Co. rauskegeln. Aus der FDP bin ich kurz gesagt raus weil: siehe Artikel oben. Damals ging es in der FDP auch Richtung links.

    Was junge Leute brauchen, die diesen ganzen marx/murxistischen Unsinn nicht mitmachen wollen, ist ein Überbegriff für das was sie verteten.

    Früher gab’s in der FDP die Libertäre Plattform… Nicht wirklich einflußreich…

    Libertär. Das wäre etwas, was viele noch sind und viele sind, die aber von dem Begriff der sie mit anderen sammeln könnte, noch nichts gehört haben.

    Liberal ist auch super. Aber liberal nennt heute jeder grüne Hippie und roter Ex-MfSler.

    Den Begriff liberal wieder schärfen und das Libertäre als krassen Gegensatz zu Grün, Rot und Braun nochmal mit allem Schwung auf den (freien) Markt werfen.

    Bin ich zu alt für. Da muß die (FDP?-) und/oder Apollo-Jugend ran.

    • Max Roland sagt:

      Ich denke oft ist es schon ein guter Dienst an der Sache, einfach zu widersprechen. Das machen ich und meine Mitstreiter in unseren Schulen schon fleißig, um zumindest irgendwie aufzuzeigen, dass es auch noch eine andere Sicht auf die Dinge gibt und der Mainstream nicht das Maß aller Dinge ist. Aber spaßig ist das nicht immmer: Wer schonmal Trump vor einem Kurs verteidigt hat, der immer nur lernt, dass er irgendwas zwischen „naiver Idiot“ und „der nächste Hitler“ ist, der beißt schonmal auf Granit und erntet ne Menge Unverständnis und Stigma. Aber das gehört in unseren Zeiten wohl dazu, wenn man eine Meinung, die vom Mainstream abweicht, selbstbewusst vertritt. Aber langfristig muss man nicht nur Gegenrede, sondern auch eine Gegenvision bieten.

  3. Freigeist sagt:

    Sehr schöne Ausführungen allerdings denke ich, dass die Jugend nicht mehr zu retten ist. Sie ist desinteressiert und selbst wenn sich manche ein wenig interessieren so fallen sie stets in die Hände Linker Lehrer oder Jugendorganisatoren.

    • Max Roland sagt:

      Nur mal so ein Gedanke: Linke Positionen sind, wie gesagt, so schön einfach. Deswegen kommen sie auch bei Leuten (Jugendlichen) durch, die sich nicht oder kaum mit Politik auseinandersetzen Konservative und liberale Positionen sind, weil sie häufig deutlich durchdachter sind, eben auch nicht so einfach. Wenn Liberale und Konservative aber nicht einfach erklären können, warum ihre Positionen gut sind, dann muss ein anderer Ansatz her: Dann muss einfach erklärt werden, warum die einfachen Lösungen von Links nicht die richtigen sind. Fehler und Gefahren einfach und verständlich offenlegen: Das wäre ein Ansatz.

  4. Pham-Tom2001 sagt:

    Max, du sprichst mir aus der Seele!

  5. kittyfremont sagt:

    Eine Davidka muss her!
    Schöner Artikel.
    Es gibt unter „normalen“ Leuten zum Glück ja noch haufenweise liberale und konservative Haltungen (siehe Kommentarspalten sogar linker Zeitungen) – und ewig kann man diese doch nicht einfach für „Nazi“ erklären. Es braucht vielleicht „einfach“ nur jemanden mit Format, auf den man sich einigen kann (wie Kurz oder Trump), um die Kräfte zu bündeln?

    • Max Roland sagt:

      Vielleicht. Liberale und konservative unterscheiden sich von den Linken in einer Sache besonders: Die Linken sind Laut, liberale und Konservative nicht. Einer, der stellvertretend für diese „schweigende Mehrheit“ laut wäre, eben jemanden von genau dem Format: Das wäre ein echter Ansatz. Aber woher? Die FDP halte ich für nur bedingt fähig, das zu liefern, und in der CDU sehe ich momentan nur Merkel-Marionetten oder Bettvorleger.

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